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Maxi

Rüstiger Rentner.....Ein "Best Ager"........und seine Geschichte.....

"Best Ager". Herje, jetzt sind diese Anglizismen auch schon im Tierheim angekommen. Es bleibt einem auf die alten Tage auch nichts erspart. Geht Ihnen das ähnlich? Die Welt verändert sich....wo ist sie hin, die gute alte Zeit.....Aber ich will nicht melancholisch werden. Wobei ich, ohne jammern zu wollen, durchaus Grund dazu hätte. Ich durfte 13 Jahre lang an der Seite meines Menschen leben. Wir waren füreinander da, egal was das Leben für uns parat hatte. Zusammen haben wir alles geschafft. Und dann ist es uns doch dazwischen gekommen. Das Leben. Einfach so und ohne Vorwarnung. Das wir beide älter wurden und das ein oder andere nicht mehr so flott von der Hand ging wie früher....ist normal und war kein Problem. Wir hatten Unterstützung und kamen damit zurecht. Bis zu dem Tag, als mein Mensch einfach umgefallen ist. Da waren plötzlich soviele Leute um mich herum, mein Mensch wurde in den Rettungswagen geschoben, alle wurden ganz flott. Und ich mitten drin, völlig durcheinander. Gottseidank ist die Haushälterin vom Pflegedienst eine patente Frau, hat zugesehen, das ich aus dem Chaso rauskam, ihre Firma angerufen und die haben das Tierheim informiert. Zwei Tierpfleger haben mich dann dort abgeholt. Die habe ich erst einmal ordentlich verbellt und angeknurrt. Das müssen Sie verstehen. Die kannte ich nicht, mein Mensch war weg und ich hatte keine Ahnung was jetzt passiert. Die beiden waren aber ganz ruhig, haben mir Zeit gegeben und mich dann ganz behutsam in die Transportbox laufen lassen. Kuscheldecke und ein paar Kekse. Und Ruhe. Im Tierheim angekommen wurde ich samt Transportbox in einen Zwinger gesetzt. Erst mal ankommen. Was für ein Kulturschock. Von gemütlichem Sofa und Bettwärme in eine "Zelle" mit Korb und Decke. Und neben einem bellende "Monster" die guten Tag sagen wollten. Da war nix gut an dem Tag. Aber so gar nix. Die ersten zwei Tage waren die Hölle. Die Zweibeiner die tgl vor mir standen waren zwar freundlich und haben mich nicht bedrängt. Aber ich wollte die nicht. Ich wollte einfach nur zurück nach Hause zu meinem Menschen. Es kam aber keiner der mich abgeholt hätte. An Tag drei in meinem Gefängnis (ich hätte rausgedurft, wollte aber nicht) hat mein Verstand angefangen zu rattern. Maxi alter Junge, Du hast jetzt die Wahl. Entweder vor Dich hinjammern und an Kummer sterben, oder irgendwie das Beste aus der Situation machen. Ich habe mich für letzeres entschieden. Vielleicht auch deshalb, weil sich hier im Tierheim alle wahnsinnig viel Mühe gegeben haben, mir das Leben so angenehm wie möglich zu machen. Sie haben mir immer erzählt wie es meinem Menschen geht und das er nur gesund werden kann, wenn er weiß, daß es mir gut geht. Menschen neigen ja zu sowas. Als ob Hund das nicht selber wüßte.....nett war es aber trotzdem. Also habe ich mich Tag für Tag mehr für alles interessiert. Spazieren gehen, Kuscheleinheiten abholen und was das Leben sonst noch schöner macht. Fremden gegenüber bin ich anfangs immer noch etwas skeptisch. Ich ziehe mich dann einfach zurück. Die Tierheimleitung und die Tierärztin strafe ich mit Nichtachtung, die hatten  nichts besseres zu tun, als mich bei der erst besten Gelegenheit zu ärgern. Meine Betreuer habe ich inzwischen richtig lieb gewonnen, sie mich auch. Allerdings haben wir uns alle nach zwei, drei Wochen erschrocken. Da stand morgens plötzlich eine fremde Frau vor mir. Futternapf in der Hand, Geruch kam mir irgendwie bekannt vor, aber sonst...wer zum Teufel ist das. Erst mal knurren, verbellen und verkrümeln. Die Frau hat ganz erschrocken reagiert und etwas von "Maxi, was ist denn los" erzählt. Nach zwei drei Minuten ist mir dann eingefallen vorher ich die kenne. Eine der Pflegerinnen, die sich jeden Tag um mich kümmern. Wie peinlich. Die Tierheimleitung hat sich dann wohl kurz mit der Tierärztin beraten und obwohl mir die beiden suspekt bleiben, hatten sie eine gute Idee. Ich bekomme jetzt morgens einen durchblutungsfördernden Drops. Und siehe da, ich habe seitdem keine Erinnerungslücken mehr. Tolle Erfindung diese Dinger. Und so klein, die merkt man nicht mal im Futter. Kosten tun die wohl auch nicht viel. Ich habe irgendwas von "Centbeträgen" gehört. Sie werden wissen, was das ist.

Jetzt könnte man ja meinen, läuft doch alles super mit dem alten Herrn, warum soll man dem armen Kerl denn noch einen Umzug zumuten, daß bringt ihn doch nur wieder durcheinander. Dank dieser oben erwähnten Drops sind meine grauen Zellen extrem wach und in der Lage, Ihnen folgende Frage zu stellen: Wenn Sie die Wahl haben zwischen einem kuscheligen zuhause, Betreuungspersonal, daß sich nur um Sie und Ihr Wohlergehen kümmert, Ihnen jeden Wunsch von den Augen abliest, Ihnen das Gefühl gibt, das beste auf der Welt zu sein, was man sich wünschen kann und immer für Sie da ist.....oder einem ganz bestimmt hoch motivierten und liebevollen Pflegeservice, der sich aber zerreißt, weil er sich um so viele kümmern muss und so wenig Zeit für den Einzelnen bleibt......Für was würden Sie sich entscheiden.....Eben. Ich ziehe ja auch nicht hopplahopp bei Ihnen ein. Wir haben doch Zeit. Lassen Sie uns das ganz behutsam angehen. Wir lernen uns in Ruhe kennen, schauen ob wir uns mögen, unternehmen einige Spaziergänge rund um das Tierheim und entscheiden dann, ob wir uns gegenseitig gut tun. Wie klingt das für Sie?

PS: Meinem Menschen geht es wieder gut, er ist jetzt aber wie ich in einem Heim. Und hat ausrichten lassen, daß er sich mehr als alles andere wünscht, daß ich noch einmal die Chance auf ein schönes zuhause bekomme, in dem sich nette Zweibeiner um mich kümmern. Wollen Sie wirklich zwei alten Herren ihren größten Wunsch abschlagen.......